Neue Herausforderungen bei der SAP User-Lizenzierung

Spätestens seit dem spektakulären Urteil über den britischen Getränkehersteller Diageo und der damit verbundenen Nachzahlung von über 50 Millionen Euro herrscht bei vielen SAP-Kunden Verunsicherung, dass auch ihnen Unheil in Form von teuren Nachlizenzierungen drohen kann – ausgelöst durch die indirekte Nutzung. Zudem will SAP neu nun die User-Lizenzvermessung auf Basis von SAP-Berechtigungen durchführen.

Bereits an der letztjährigen Kunden- und Partnerkonferenz SAPphire Now in Orlando, Florida, sprach der Konzernchef Bill McDermott über die Problematik der indirekten Nutzung und kündigte damals neue Lizenz-Optionen an, welche nun im 2018 gegenüber den Kunden auch durchgesetzt werden sollen.

Offensichtlich plant SAP ebenfalls die Praxis der Lizenzvermessung umzustellen. Die zu Grunde liegende Lizenzbedingung ist bereits seit einigen Jahren in der Preis- und Konditionsliste enthalten. Konkret geht es dabei um die Änderung der Vermessung von Named-User-Lizenzen und zwar von «tatsächlicher Nutzung» zur Nutzung auf Basis von effektiv «vorhandener Berechtigungen.»

Was bedeutet dies konkret?

Bei der Pflege eines SAP-Benutzers wird diesem eine Rolle mit entsprechenden Berechtigungen vergeben. Zusätzlich muss jedem SAP-Benutzer ein SAP-Lizenztyp (Employee Self Service, Professional, etc.) zugeteilt werden. Dieser Lizenztyp hat keinerlei Einfluss auf den effektiven Funktionsumfang des Benutzers. Auf der Basis dieser Lizenztypen erfolgt seit Jahren die SAP-Nachvermessung.

Ein Mitarbeiter kann grundsätzlich mehr Berechtigungen für die tägliche Arbeit haben, als er eigentlich bräuchte. Geht es nach der SAP, müsste man im Grunde jedem Nutzer, der die Berechtigung nicht nutzt, diese wieder entziehen. Bisher musste jedem SAP-Nutzer eine bestimmte Lizenz zugeordnet werden. Unterschiede in den Lizenztypen entstanden durch den Umfang der Funktionen, den sie abdeckten. Je geringer der Funktionsumfang, desto günstiger die Lizenz. So wird es in Zukunft allerdings nicht mehr funktionieren. Gemäss SAP soll zukünftig nun der Umfang der Funktionen, die der Anwender nutzen könnte, den Lizenztyp und damit den Preis bestimmen.

Abstrakt kann dies am Beispiel eines Führerscheins erklärt werden, welcher beispielsweise an ein bestimmtes Fahrzeug gebunden ist. Bei der nutzungsbasierten Lizenzierung war es bis anhin egal ob man einen Audi oder BMW genutzt hatte. Es wurde immer die gleiche Lizenzgebühr fällig. Bei der nun neu auf Autorisierung basierenden Lizenzierung ist dem nicht mehr so. Der zu bezahlende Betrag richtet sich nicht mehr nach dem tatsächlich benutzten Fahrzeug, sondern nach dem teuersten Fahrzeug, das man theoretisch nutzen könnte.

Massive Nachzahlungen möglich

Bislang ist von den Gerichten oder dem europäischen Gerichtshof die rechtliche Wirksamkeit dieser Lizenzpraxis noch nicht rechtskräftig überprüft worden. Liegt ein solcher rechtskräftiger Entscheid vor, bedeutet das, dass SAP-Kunden umgehend das bestehende Rollen- und Berechtigungskonzept prüfen und gegebenenfalls anpassen müssen. Firmen ohne entsprechende SAP-Berechtigungskonzepte werden so in Zukunft vermutlich teure Lizenzen nachkaufen müssen. Reichte zum Beispiel bisher eine eng definierte Worker Lizenz für CHF 666, so wird womöglich bald eine teure Professional Lizenz für CHF 3’552 fällig, falls der Mitarbeiter über zu viele Rechte verfügt.

Wie weiter?

Warten Sie deshalb nicht, bis ein Audit seitens der SAP angestossen wird, sondern werden sie selbst aktiv. Wir unterstützen Sie gerne und helfen Ihnen, allfällige Lizenzunklarheiten rechtzeitig aufzuspüren und zu korrigieren.

 

Kontakt:

Process Partner AG

Tel.: +41 71 314 07 07

info@processpartner.ch

 

 

Verwendete Quellen:
http://pressnetwork.de/tag/sap-lizenzierung/
https://www.cloudcomputing-insider.de/sap-will-neues-lizenzmodell-fuer-indirekte-nutzung-ihrer-anwendungen-a-612996/
https://www.aspera.com/de/blog/sap-user-lizenzierung-nach-berechtigungen/
https://www.computerwoche.de/a/sap-kunden-droht-neues-lizenz-unheil,3544437

 

 

 

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